Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Preisanstieg bei Flachstahl:Tragfähigkeit fraglich

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Üblicherweise halten sich über den Sommer die Preisbewegungen am Stahlmarkt in Grenzen. In diesem Jahr ist jedoch seit der zweiten Augusthälfte am Spotmarkt für Flachprodukte eine stärkere Aufwärtsdynamik zu beobachten. Im Gegensatz zu früheren Versuchen haben die jüngsten Preisankündigungen der Hersteller eine große Wirkung erzielt. Den Unternehmen der stahlverarbeitenden Industrie, die überwiegend noch mitten in der Corona-Krise stecken, droht zur Unzeit ein deutlicher Anstieg der Materialkosten. Ursächlich dafür sind höhere Rohstoffkosten, ein nur schwacher Importdruck und eine engere Angebots-Nachfrage-Relation. Der Preisanstieg dürfte sich kurzfristig fortsetzen. Die Tragfähigkeit dieser Entwicklung ist aber noch alles andere als sicher.

Höhenflug der Eisnerzpreise
Ein wichtiger Aspekt ist der Höhenflug der Eisenerzpreise, der vor allem mit der starken chinesischen Nachfrage erklärt wird. Die zwischenzeitlichen Störungen des brasilianischen Angebotes sind mittlerweile weitgehend gelöst. Der Preis der Referenzsorte hat auf Dollarbasis im August dennoch zwischenzeitlich bei um die 130,- $/t den höchsten Stand seit sechs Jahren erreicht und sich damit weit von allen Prognosen entfernt. Diese sehen eher Preise zwischen 90,- und 100,- $/t als gerechtfertigt an. Eine Korrektur scheint zwar unausweichlich. In dem stark stimmungsgetriebenen Markt ist es aber schwer vorherzusagen, wann diese eintreten wird.

Der Anstieg der Eisenerzpreise hat am Weltmarkt auch psychologisch eine starke Wirkung und führt zu höheren Stahlpreisen. Dabei geht teilweise unter, dass ein deutlicher Preisrückgang bei Kokskohle und aus europäischer Sicht die kräftige Aufwertung des Euro für eine gewisse Kompensation sorgen. In Euro gerechnet haben die Rohstoffkosten der Hochofenroute seit April um knapp 20,- €/t zugelegt und liegen auf dem Niveau vom Jahresanfang.

Starker chinesischer Stahlmarkt
Wegen des stärkeren Nachfrageeinbruchs ist das europäische Stahlpreisniveau in den vergangenen Monaten gegenüber dem asiatischen Markt klar zurückgefallen. Dieser profitiert von der schnellen, durch staatliche Maßnahmen getriebenen Erholung in China. Im Ergebnis geht in der EU von Drittlandimporten, bei denen wichtige Lieferländer zusätzlich unter den im Juli verschärften EU-„Schutzmaßnahmen“ leiden, kaum preislicher Wettbewerb aus. Auch hier ist schwer zu sagen, wie lange der Zustand anhalten wird.

Zur Frage, wie gut das Stahlpreishoch in China abgesichert ist, gehen die Meinungen der Experten auseinander. Unabhängig von der weiteren Nachfrageentwicklung gibt es eine enge wechselseitige Verknüpfung zwischen Stahl- und Eisenerzpreisen. Das Weltmarktangebot dürfte in den kommenden Wochen deutlich steigen. Damit gibt es jedenfalls die Möglichkeit, dass Weltmarkt- und EU-Importpreise auch schnell wieder fallen können. Aufgrund des gestiegenen Euro-Wechselkurses könnte dann der Preisdruck in der EU sogar überproportional steigen.

Nachfrage verlässt ein tiefes Tal, Angebot noch knapp
Schließlich hat sich die hiesige Stahlnachfrage im Sommer gegenüber den „schwarzen“ Frühjahresmonaten wieder erholt und trifft auf ein noch stark verknapptes Angebot. Bei vielen Industrieunternehmen haben sich die Geschäfte im Juli und im August wieder gebessert. Die deutsche PKW-Produktion lag im Juli nur noch um 6% unter dem Vorjahr. Gerade im Automotivebereich gehen aber die Lagebeurteilungen weit auseinander. Viele Stahlverarbeiter sind aktuell nur zu 70 bis 75% ausgelastet. Hoffnungen auf eine kräftige Aufholbewegung im 4. Quartal mischen sich mit vielen Unsicherheiten. Wie stark Nachholeffekte ausfallen werden und wie lange sie wirken, ist unklar. Die strukturellen Probleme in der Automobilindustrie werden sich jedenfalls nicht schnell auflösen.

In Abnehmerbranchen wie dem Maschinenbau oder den Rohrwerken ist eine Belebung noch kaum zu beobachten. Angesichts der in Handel und Industrie vielfach angespannten Liquiditätslage muss abgewartet werden, in welchem Ausmaß es nun zu Lagerergänzungen kommt. Dass die Stahlnachfrage in der Breite des Marktes schnell das Vorkrisen-Niveau wieder erreichen wird, muss bezweifelt werden.

Auf der Angebotsseite dürfte die europäische Flachstahlproduktion nun wieder anziehen. Unternehmen wie Liberty Steel für Tschechien, ArcelorMittal für Frankreich und die österreichischen Voestalpine für Linz haben bereits angekündigt, Hochöfen wieder hochzufahren. Schon aus technischen Gründen wird dies einige Zeit benötigen. Zudem ist es objektiv schwierig, die Nachfrage verlässlich einzuschätzen. Daher ist es gut möglich, dass es temporär zu Beeinträchtigungen der Versorgung kommen kann. Viele Lieferzeiten haben sich bereits spürbar verlängert.

Damit sind bei Flachstahl in kurzfristiger Sicht nochmals höhere Preise zu erwarten. Die Tragfähigkeit dieses Trends muss aber abgewartet werden. Es ist durchaus möglich, dass er nur von kurzer Dauer sein wird.

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Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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Gast Montag, 26 Oktober 2020

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