Stahlmarkt Consult Blog

In meinem Stahlmarkt-Blog befasse ich mich mit Neuigkeiten aus der Stahlmarkt-Welt und analysiere Trends und Marktentwicklungen.

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Neuer Antidumpingzoll gegen Stahl aus China – Mehr als eine Randnotiz

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Am 18. September hat die EU-Kommission erneut die Verhängung von Antidumping-Zöllen gegen die Einfuhren von Stahlerzeugnissen aus China beschlossen. Betroffen ist Stahl mit organischem Überzug (Tarifnummern 7210 70 80, 7212 40 80, 7225 99 00 und 7226 9970). Genauer handelt es sich um flachgewalzte Produkte, die auf mindestens einer Seite mit Farbe versehen, lackiert oder mit Kunststoff beschichtet sind. Dieser Stahl wird hauptsächlich im Baubereich z.B. für Außenkonstruktionen wie Dacheindeckungen, aber auch in der Hausgeräte- oder Elektroindustrie verwendet.

Die zunächst für einen Zeitraum von sechs Monaten vorläufig festgelegten Zölle haben allgemein eine beachtliche Höhe von 57,8%, wobei für einzelne Unternehmen individuelle Zollsätze zwischen 13,2 und 55,3 % festgelegt wurden. In der am 19.09. veröffentlichten Bekanntmachung der EU wird sowohl Dumping durch die niedrigeren Preise der chinesischen Hersteller als auch eine Schädigung der EU-Hersteller, die Marktanteile verloren hätten, festgestellt.

In der breiteren Öffentlichkeit ist über diesen Beschluss kaum berichtet worden. Auch stahlnahe Kreise wissen mit der kompliziert klingenden Produktbeschreibung nicht sofort etwas anzufangen. Dennoch geht es dabei um mehr als um eine rein technische Entscheidung für ein Nischenprodukt.

Immerhin wurden von dem betroffenen Erzeugnis in der EU 2010 fast 5 Mio. Tonnen verbraucht, so dass der betroffene Markt schon rein mengenmäßig nicht zu vernachlässigen ist. Zudem sendet die Entscheidung auch über das betroffene Produkt hinaus ein deutliches Signal: Die europäische Stahlindustrie wehrt sich gegen als zu billig empfundene Stahleinfuhren aus China, und die EU-Kommission unterstützt diesen Weg.

Was auf den ersten Blick nachvollziehbar klingt, ist bei genauerer Betrachtung diskussionswürdig. Umgangssprachlich wird der Begriff „Dumping“ fast schon inflationär für Alles verwendet wird, was billiger ist. Das Mitgefühl für den „Geschädigten“ ist meistens inbegriffen. Auf der Außenhandels-Ebene wird Dumping aber in einem komplizierten Prozess nach verschiedenen Kriterien untersucht. Wer die Ergebnisse einer solchen Untersuchung liest, dem wird sofort klar, dass hierbei allerlei Ermessensspielräume bestehen. Und diese werden nicht zuletzt nach politischen Kriterien oder nach der Stärke der jeweils agierenden Lobbygruppe ausgefüllt.

Ist es „bemerkenswert“, wie es in der Bekanntmachung der EU heißt, dass die Einfuhren aus China für dieses Erzeugnis zwischen 2009 und dem Untersuchungszeitraum (Okt. 2010 bis Sept. 2011) um 367% gestiegen sind? Ja. Ebenso beeindruckend: der Marktanteil der Lieferungen aus China ist zwischen 2009 und dem Untersuchungszeitraum um 290% gestiegen. Wer solche Zahlen liest, wird (erst recht, wenn er nicht weiß, dass das herangezogene Vergleichsjahr 2009 wegen der Wirtschaftskrise ein besonders niedriges Ausgangsniveau bietet) der Einführung von Zöllen intuitiv zustimmen.

Braucht ein Industriezweig in der EU den Schutz durch fast prohibitiv hohe Zölle, dessen Marktanteil für das betroffene Produkt von 59,0% im Jahr 2008 auf 56,7% im Jahr 2011 gesunken ist? Ist es so schlimm, wenn Stahlanbieter aus China durch um ca. 20% niedrigere Preise ihren Marktanteil in der EU von 8,3% im Jahr 2008 auf 13,6% im Jahr 2011 erhöhen, während gleichzeitig der Anteil Chinas an der Weltstahlproduktion China im Jahr 2011 bei fast 46% lag? Wer diese Zahlen liest, wird bei den verhängten Zöllen eher an eine protektionistische Maßnahme denken und diese, sofern er im Allgemeinen ein Freund offener Märkte ist, ablehnen.

Wie man es dreht und wendet: man kommt nicht daran vorbei, dass es bei einer technisch und objektiv klingenden Antidumpinguntersuchung immer auch um das Große und Ganze geht. Zum Beispiel um Wahlmöglichkeiten für Stahlverbraucher, um die Positionierung der europäischen Stahlindustrie angesichts eines intensivierten globalen Wettbewerbs und um den Aufstieg Chinas zur weltweit führenden Stahlnation. Die chinesischen Stahlhersteller bieten in bestimmten Marktphasen und bei einer zunehmenden Zahl von Stahlerzeugnissen eine Alternative für europäische Stahlverbraucher, denen bisweilen die Auswahlmöglichkeiten am Heimatmarkt zu begrenzt sind.

Ob es die richtige Lösung ist, vor diesem Hintergrund regelmäßig mit Antidumpingzöllen zu drohen und sie bisweilen auch umzusetzen, sei dahingestellt. Wer aber etwas an diesem Zustand ändern will, sollte sich in die mit Sicherheit kommenden nächsten Verfahren aktiv und frühzeitig einschalten. Denn wenn der Zoll im EU-Amtsblatt verkündet wird, ist es schon zu spät.

© StahlmarktConsult Andreas Schneider. Nachdruck und Verwendung mit Quellenangabe ist erlaubt.

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Andreas Schneider, Inhaber von Stahlmarkt Consult Andreas Schneider, teilt hier regelmäßig seinen Blick auf das Stahlmarktgeschehen.

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Gast Montag, 17 Mai 2021

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